Das Regiment Royal Deux Ponts

Die Geschichte des Regiments begann eigentlich schon sechs Jahre vor seiner eigentlichen Gründung, nämlich im März 1751 mit dem Abschluss eines Freundschaftsbundes zwischen dem Königreich Frankreich und dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken. Christian IV., der aus der Linie Birkenfeld des Wittelsbachischen Fürstenhauses stammte, hatte traditionell eine enge Verbindung nach Frankreich. Schließlich war er durch seine elsässischen Besitzungen (z.B. Rappoltstein) lehnsabhängig vom französischen König. Er verpflichtet sich bei diesem Freundschaftsbündnis zur Aufstellung eines Bataillons für den mit ihm befreundeten König Ludwig XV. Wie eng die Beziehungen zwischen beiden waren, hat kürzlich die Münchener Ausstellung über die Marquise von Pompadour herausgearbeitet. Die langjährige Mätresse des Königs war eng mit Pfalzgraf Christian befreundet.

1756 wurde es dann bereits konkreter:
Am 7. April 1756 schlossen Christian IV. und Ludwig XV. ein geheimes Abkommen über die Aufstellung eines Infanterieregimentes durch Christian IV. und darüber, dass dieses Regiment gegen die Zahlung von 80.000 Florin der Krone Frankreichs unterstellt werden sollte. Eine wichtige Quelle für die Aushebung ist die herzogliche Verordnung vom 5. Oktober 1756, die für einige neue Bataillone warb. Schon 1756 sind die ersten Eintritte ins Regiment verzeichnet. Die Soldaten stammten vorwiegend aus dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, dem Elsass und einige wenige wurden auch aus Lothringen ausgehoben. Nach der Verordnung des französischen Königs Ludwig XV. über die Errichtung des Regiment Royal-Deux-Ponts vom 19. Februar 1757 gliederte sich das Regiment in drei Bataillone und umfasste insgesamt 2.034 Soldaten und 60 Offiziere, meist Mitglieder zweibrückischer oder pfälzischer Adelsfamilien (von Closen, Fürstenwärther, Carthcart, Esebeck, St. Ingbrecht). Der 1. Kommandeur war Ludwig von Closen. Im Stadtarchiv Zweibrücken befindet sich eine Kartei von ca. 500 Regimentsangehörigen.

Der Zweibrücker Hofmaler Pitz beschreibt in seinem Gemälde eine typische Werbeszene im Gasthaus, wie sie sich auch bei der Aushebung des Regiment Royal-Deux-Ponts abgespielt hat.
Durch eine Verordnung vom 17. Januar 1759 sorgte Herzog Christian IV. übrigens für eine Werbung von Soldaten ohne Gewalttätigkeiten. Werbern, die junge Männer zum Dienst pressten, wurde eine harte Bestrafung angedroht. Jeder Mann hatte das Recht, mit dem Werber ein Maas Wein zu trinken, ohne sich dadurch gleich zum Dienst zu verpflichten.

Das Regiment befand sich bis Mai 1757 im Herzogtum Pfalz-Zweibrücken (Ausmarsch aus dem Raum Homburg-Zweibrücken am 15. Mai 1757) und stieß dann zur französischen Armee. Unter dem Prinzen von Soubise vereinigte es sich mit der sächsischen Armee und nahm am gesamten 7jährigen Krieg teil (1756-1763), allerdings recht erfolglos (Rossbach/ Sondershausen/ Bergen/ Korbach/ Stangerode/ Villingshausen/ Fürstenberg/ Wolfenbüttel).

Obwohl das Regiment den Namen Zweibrücken trug und sich vor allem aus Untertanen des Herzogtums rekrutierte, hatte es kaum Verbindung zur Stadt Zweibrücken. Nur nach seiner Teilnahme am 7jährigen Krieg bezog es Quartier im Herzogtum (Mai 1763 bis Ende 1765), wobei 1763 auch Truppenteile in der Stadt Zweibrücken untergebracht waren. Ansonsten wurden dem Regiment andere Garnisonsorte, vor allem Straßburg (1767-70), zugewiesen (Lille/Dünkirchen/Metz/Landerneau/St. Paul de Lézon).

Weltgeschichtliche Bedeutung erlangte das Infanterieregiment erst durch seine Teilnahme am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1780-83).
Ludwig XVI. sandte 1780 auf Drängen von Benjamin Franklin, der deshalb 1776 nach Paris gekommen war, sechs französische Regimenter zur Unterstützung von General Washington nach Amerika; drei der Regimenter waren aus Deutschen rekrutiert, eines davon das Regiment Royal Deux Ponts.

Nach einem Winterquartier 1779/80 in der Bretagne wurde das Regiment am 4. April 1780 in Brest eingeschifft.

Kommandeur des Regiments war Christian von Forbach, sein Bruder Wilhelm war sein Stellvertreter. Beide waren Söhne von Herzog Christian IV. aus seiner morganatischen Ehe mit der Gräfin Marianne von Forbach.

Hervorragende Quellen für die Beteiligung des Regimentes am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg sind die Tagebücher von Wilhelm v. Forbach, Graf Axel Fersen,
Ludwig von Closen (Adjutant des frz. Oberkommandierenden Rochambeau) und Georg Flor.

Die große Stunde des Regimentes kam am 14. Oktober 1781, als es darum ging, die Engländer, die sich zahlenmäßig überlegen in Yorktown verschanzt hatten, zur Aufgabe der Stadt zu bewegen. Wilhelm von Forbach führte mit seinem Bataillon den Angriff auf die Redoute 9 von Yorktown und trug durch die Erstürmung wesentlich dazu bei, dass die Engländer fünf Tage darauf, am 19. Oktober kapitulieren mussten. Mit ihren 29 Toten hatte das Regiment wesentlich dazu beigetragen, dass nun der amerikanischen Unabhängigkeit nichts mehr im Wege stand.
Dieses Faktum wird bis heute von den Amerikanern außerordentlich gewürdigt, was Delegationen der Stadt Zweibrücken bei Besuchen in der Partnerstadt Yorktown immer wieder erleben dürfen.

Im Juli 1783 kehrte das Regiment nach Europa zurück und nahm Garnison in den Städten Landau, Pfalzburg, Metz, Hüningen, Neubreisach,  Metz und Verdun.

Die Namensänderung vom 1. Januar 1791 durch die französische Revolutionsregierung beendete die Geschichte des Zweibrücker Fremdenregimentes. Das 99. französische Infanterieregiment verstand sich bis zu seiner Auflösung am 21. Mai 1997 als Nachfolge- bzw. Traditionsregiment.


Zur Fahne:

Das Regiment führte in der Zeit von 1758 bis 1791 zwei Fahnen:

Die Fahne des I. Bataillons hieß die Fahne des Obersten (Drapeau Colonel), Grundfarbe einer Fahne des Obersten war immer die Farbe des Fürsten, in diesem Fall also weiß.

Gestaltung: weißer Seidengrund, goldene, bourbonische Lilien, blau-rotes Spruchband mit der lat. Inschrift „NEC PLURIBUS IMPAR“ (freie Übersetzung: Auch der Übermacht gewachsen), goldene Sonne, pfalzgräfliches Wappen (Christian IV.)

Die Fahne des II. Bataillons wurde Ordonanzfahne (Drapeau d´Ordonnance) genannt.
Gestaltung : weißes Andreaskreuz teilt die Fahne diagonal in vier Felder, frz. Krone, bourbonische Lilien, in jedem Feld ein Teil des pfalzgräflichen Wappens (jeweils 2 Wappenfelder)